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Weiterlesen...Die antiken römischen Städte Pompeji und Herculaneum wurden im Jahr 79 n. Chr. beim Ausbruch des Vesuv zerstört. Die glühenden pyroklastischen Ströme begruben das Gebiet der Gemeinden Pompeji und Herculaneum unter einer 13 bis 20 Fuß dicken Schicht aus Bimsstein und Asche.
Die 1758 begonnenen Ausgrabungen in Pompeji und Herculaneum brachten zahlreiche antike römische Bauwerke aus dem gesamten Gebiet des Römischen Reiches zutage. Archäologen fanden Überreste von Mauern, Aquädukten, Palästen, Festungen, Theatern, Krankenhäusern, gewöhnlichen Wohnhäusern und Tempeln. Diese ausgegrabenen Städte haben unser Verständnis für den Alltag der Römer in der Antike entscheidend geprägt.
Die Römer waren nicht nur Pioniere neuer Bauweisen und Baumaterialien, sondern auch Meister im Bau ihrer avantgardistischen Wasserleitungen. Als Wasseringenieure suchten sie ihresgleichen. Sie errichteten zahlreiche erhöhte Kanäle, um Wasser aus weit entfernten Quellen in den Bergen und Hügeln bis in die Städte zu leiten. Zudem erfanden sie Wasserpumpen mit Ventilen. Dieses römische Ventil half dabei, das Wasser bergauf zu pumpen. Von dort gelangte es in hochgelegene Tanks über den Brunnen. Aus diesen Tanks floss das Wasser dann allein durch die Schwerkraft aus dem Ausguss.
Schon in der Antike war der Beruf des Klempners in Pompeji äußerst gefragt. Die ständige Nachfrage nach Rohren, Bronzeventilen und gelöteten Verbindungen hielt die Handwerker in Atem. Auch Aufträge für prunkvolle Ausstattungen aus Gold, Silber und Marmor blieben konstant hoch. Zu ihren wichtigsten Arbeiten zählte das Formen und Anfertigen bleierner Dachrinnen für die wohlhabendsten Häuser Pompejis. Die pompejanischen Wohnhäuser besaßen in der Regel ein offenes Dach und ein Atrium. Am Fuß des Hauses befand sich meist ein Becken, das das von den Dachziegeln herabfließende Regenwasser sammelte.
Die Klempner Pompejis fertigten ihre Rohre, indem sie flüssiges Blei zu Platten unterschiedlicher Größe und Dicke gossen. Diese ließen sie anschließend im Freien auskühlen. Waren die Platten ausreichend abgekühlt, formten die Handwerker sie um einen Holzkern. Dabei ließen sie eine V-förmige Öffnung frei, an der die Enden der geformten Platten aufeinandertrafen. Um den entstehenden Kanal formten sie danach eine Gussform aus Ton oder Sand. War dies geschehen, gossen sie heißes Blei in die Öffnung. Die typischen Rohre jener Zeit hatten eine elliptische, eiähnliche Form.
In der frühen römischen Zeit verfügten nur die reichsten Haushalte Pompejis über eine dauerhafte Wasserversorgung. Jedes Privathaus bezahlte dafür je nach Größe der genutzten Zulaufdüse. Die einfache Bevölkerung hingegen musste ihr Trinkwasser an den öffentlichen Brunnen holen. Über Bleirohre gelangte das Wasser in die verschiedenen Häuser. Diese Rohre erleichterten nicht nur den Wassertransport, sondern verbesserten auch die hygienischen Verhältnisse der Stadt erheblich.
Die antiken römischen Sanitäranlagen zählten zu den fortschrittlichsten der Welt und galten als zentraler Bestandteil der Stadtstruktur. Ihre Wasserversorgungssysteme waren derart ausgereift, dass erst im 19. Jahrhundert Vergleichbares entstand. Die Erfindung der römischen Aquädukte ebnete zudem den Weg für die Entwicklung unterirdischer Abwassersysteme. Der größte bekannte Abwasserkanal des antiken Rom war die 'Cloaca Maxima'. Sie war so breit und hoch, dass sogar ein Pferdefuhrwerk hindurchfahren konnte.
Aus der Entwicklung der antiken römischen Wasserversorgung gingen auch öffentliche Latrinen hervor, die die römischen Ingenieure errichten konnten. So praktisch diese Anlagen waren, Privatsphäre boten sie nie: Die Nutzer saßen dabei nebeneinander auf langen Sitzreihen.
Das Bad im Haus der reichsten Pompejaner war buchstäblich ein Raum mit einem Pool. Meist war der gesamte Boden des Raums mit Wasser gefüllt, was man heute wohl als kleines Schwimmbecken bezeichnen würde. Die Wände waren überwiegend mit Marmor verkleidet. Drei bis vier passende Marmorstufen bildeten die Treppe, die von der Oberfläche zum abgesenkten Betonboden hinabführte.
Der gesamte Baderaum wurde über eine Art Klappensystem reguliert. Sowohl das Wasser als auch die zirkulierende Luft wurden erwärmt, um für die Badenden eine angenehme Temperatur zu erreichen. Die heiße Luft strömte aus dem angrenzenden Ofen und zog unter dem Boden hindurch, der auf Ziegelpfeilern ruhte. An den Wänden sorgten hohle Terrakottafliesen dafür, dass die Wärme ungehindert durchdringen konnte.
Ein eingebauter Stöpsel ermöglichte es außerdem, das Bad zu entleeren. Je nach Nutzung wurde es üblicherweise ein- bis zweimal täglich geleert und wieder befüllt. Auch die verwendeten Rohre waren auf Langlebigkeit ausgelegt: Sie bestanden aus Blei oder aus im Boden verlegten Fliesen, die meist mindestens einen Fuß tief eingelassen und anschließend mit einem massiven Betonboden überdeckt wurden.
Die öffentlichen Thermen Roms verfügten in der Regel über silberne Ventile. Als besonderer Luxus galten Messinghähne, gelötete Verbindungen, vierarmige Kreuzstücke sowie einheitlich gefertigte Bronzewannen. Zudem gab es eigene Räume zum An- und Auskleiden sowie für Kaltwasserbäder, laue Bäder und Dampfbäder.
Archäologen entdeckten in Pompeji eine Art Badekomplex, dessen Umfang fast eine Meile betragen haben soll, groß genug, um als zweitgrößte Anlage nach den Amphitheatern zu gelten.
Herculaneum richtete sich ausschließlich an die mächtigsten und reichsten Familien. Es war ein äußerst kostspieliger Rückzugsort, teurer noch als die Anlagen in Pompeji. Die kunstvoll gestalteten Mosaike im Frauenbad und die Wandmalereien sollen jene in Pompeji sogar übertroffen haben.
Ursprünglich entsprach die römische Therme in etwa dem, was man heute unter einem Country Club versteht: ein Ort, an dem man sich traf, Freunde wiedersah, gemeinsam spielte, ausgiebig speiste und im Fitnessbereich trainierte. Hier verbrachte man auch einen Teil seiner Freizeit mit einer Abfolge entspannender Bäder, warm, heiß, kalt und lauwarm.
Zur Zeit Julius Caesars, zwischen 100 und 44 v. Chr., waren die Römer in Fragen der Geschlechtertrennung noch sehr konservativ. Männer und Frauen durften nicht denselben Raum nutzen, sondern badeten zu getrennten Zeiten, jeweils für einige Stunden. Gebadet wurde meist gänzlich nackt, wobei manche Frauen eine Haube trugen, um ihre Frisur und ihre Perlenkette zu schützen.
Später wurde diese Regel gelockert: Männer und Frauen durften nun gemeinsam baden, weiterhin ohne Kleidung. Dafür galten zwei neue, streng durchgesetzte Regeln: 'Nicht starren' und 'sich benehmen, als wäre man vollständig bekleidet'. Wer sich nicht daran hielt, musste die Therme sofort verlassen und durfte sie danach nie wieder betreten.
Die römischen Thermen der Antike standen stets für einen luxuriösen Lebensstil, der selbst die Römer mitunter überforderte. Anfangs war dies durchaus positiv zu bewerten. Mit dem Verfall Roms jedoch verkam auch das Badeleben zunehmend zu einem Ort der Ausschweifung und Zügellosigkeit.
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